Clinicile Icco Brasov
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Die Geschichten unserer Patienten

Die Geschichten unserer Patienten

Radu Gabrea
Rumänischer Regisseur und Drehbuchautor

KURZER AUFENTHALT IM PARADIES

Das Paradis mit einem Leiden in Verbindung zu bringen scheint absurd zu sein. Die Krankheit, das Schlechte, das Krankenhaus, die Operationen werden üblicherweise mit etwas schlechtem assoziiert. Aber wenn dieser Begriff relativisiert wird und das Schlechte versus Gute sich gegenseitig definieren, immer in Verbindung und immer durch Vergleich? Wenn das Schlechte/Gute so wie es tatsächlich stattfindet auch mit den Erwartungen im Zusammenhang sind?  Als ich in 1976 auf dem Weg von Heidelberg, wo ich mich nach einem Konflikt mit dem "Genossen..." niedergelassen hatte, nach Paris in einem orangem Citroen fuhr, das erste Auto eines Auswanderers bei nur zwei Monate nach Erhalt des "Führerscheins", Wort das üblich Schein zum fahren bedeutet aber genau, wort wörtlich übersetzt "Führer Zertifikat" (also für einen Führer wie Hitler oder Antonescu) bedeutet, bin ich in einem Betonmast gelandet weil ich am Steuer eingeschlafen bin. Ich hatte überlebt und ins Krankenhaus aus Nancy angekommen wo ich von schönen Mädels umkreist aufgewacht bin und mir Mittags und am Abend eine Becher Rotwein verabreicht wurde. Das Schlechte des Unfalls wurde für einen Moment verdrossen:   im Krankenhaus war es gut! Als infolge der Bremse die mir das Leben gerettet hat aber den Oberschenkelhals gebrochen hat (wieder diese Alternative gut/schlecht), nach 30 Jahren sich die Arthrose installiert hat war es schlecht. Schlecht  auch durch die Tatsache, dass die Ratschläge und Worte die ich über mögliche Eingriffe zur Beseitigung des Schlechten  noch “mehr Schlechtes" verkündeten: die Krankenhäuser meines Vaterlandes das inzwischen wieder Rumänien wurde, fortlaufende Verschraubungen und Aufschraubungen der prognostizierten Prothesen, haben dazu geführt dass ich diesen Eingriff immer wieder verschoben habe. Als am Ende der Kräfte das Schlechte zu einer Tatsache wurde, wieder dieselbe Geschichte, das Schlechte wandelte sich ins Gute um. Ins Gute weil ich wegen den Schmerzen die ich nicht mehr aushalten konnte ich mich entschieden habe den notwendigen Eingriff durchzuführen.  Das Gute hat dazu geführt, dass nach vielen Recherchen "wo?" und "mit wem?", meine Freundin und Kollaborateurin, die Kostümemalerin Svetlana Mihailescu, mir über eine Klinik "von Deutschen gebaut" (also wieder die Deutschen) in Brasov sprach, in der ihre Kousine operiert wurde die ein größeres Schlechtes wie ich hatte. Svetlana hat mir die Telephonnummer eines gewissen Dr. Balint, "ich glaube er ist Ungare" sagte sie mir, gegeben, ein Arzt über den sie sehr schön gesprochen hat.  Und dann am Ende meiner Kräften habe ich angerufen und der Herr Doktor Balint hat ein Treffen im Krankenhaus, ich hatte nur ICCO in Brasov, Scolii Str. 8 verstanden, vereinbart. Ich habe mein Herz in die Hand genommen und ins Krankenhaus gekommen. Nachdem ich als fremder Informationen von den Einwohnern der Stadt Brasov gesammelt habe bin ich in der Scolii Str. 8 angekommen.  Es war Liebe auf dem ersten Blick. Die Klinik mit ihrem richtigen Namen CLINICCO, hatte etwas besonderes. In erster Reihe sah es nicht wie ein Krankenhaus aus. Sie hatte eine warme, menschliche Architektur. Nachdem nach etwas Wartezeit einen gewissen Ort entdeckt hatte zu dem ich alleine gegangen bin, war ich mir sicher: das Türdesign, der Waschbecken, die Toilette waren "anders". Dieses genügte mir zu denken "Deutschen bleiben Deutschen!" (es war aber falsch, da über kein deutschen die Rede war, aber dieses sollte ich später erfahren).

Nachdem ich von zwei Frauen mit blauen Schuhen über meine eigenen Schuhe angezogen wurde folgte die notwendige Röntgenaufnahme.  Danach habe ich den Herrn Arzt Balint getroffen. Er hängte die Röntgenaufnahme an die Glaswand schaute sie sich lang an und war sehr gut gelaunt. Wie nach einem persönlichen Sieg. "Wunderbar! Wunderbar!" sagte er. Nach dem erlittenen Unfall ist der Knochen wunderbar geheilt!" und danach plötzlich wendete er sich an mich: "Wann kommen Sie? Ich werde Ihnen ein schönes Bein machen!”.

Ich kehrte zurück nach Bukarest nachdem wir zusammen ein Datum festgelegt hatten: das ungückbringende Datum: 18 Mai 2010. Es waren genau 33 Jahre und 5 Monate seit dem Unfall von Nancy.
In Bukarest fangen die Schwierigkeiten an: "Warum Brasov? Ich kenne eine ausgezeichnete Klinik in Timisoara! In Brasov, wenn du so viele Kliniken in Bukarest zur Verfügung hast? Insbesondere weil du Gymnasiumkollege mit Dr. X eine Kapazität im Bereich warst?”

Aber ich wurde darauf immun: das Gebäude mit dem blauen Streifen hatte mir gefallen, inzwischen kannte ich auch den genauen Namen: CLINICCO, und ich hatte die Überzeugung dass Dr. Balint mich wieder zu einem "Jugendlichen" macht. Ich muß gestehen dass dieses in meinem Alter mehr als verlockend war.

Und es kan der große Tag. Obwohl ich meinen Koffer rechtzeitig wie für eine Auslandsreise gepackt hatte und mir vorgenommen haben pünktlich zu sein habe ich 45 Minuten verspätet. Auf der Flur traf ich Herrn Dr, Balint. Er scheinte mir eine andere Person zu sein ... er scheinte strenger zu sein und er warf mir die Verspätung vor. "Sie haben verspätet" sagte er. "Frau Anästhesistin wird Sie rügen". Er sagte es auf einem Ton der mir Schrecken einjagte... Anästhesistin!  Ich stellte mir eine Kommisarfrau wie in den russischen Filmen vor, mächtig groß, mit einer tiefen Stimme und schreckeneinjagend! "Es hat schlecht begonnen!" sagte ich mir. Den Rest des Tages habe ich gewartet. Meine Frau Victoria die gekommen war mich bei der OP beizustehen war auch sehr erregt. Jedesmal als die Tür aufging sprangen wir beiden "Frau Dr. Anästhesistin?" Sie war es nicht! Erst nach einigen Stunden wurde die Tür von einem zarten Wesen geöffnet die ruhig hereintrat und einem Ruhe inspirierte und sich vorstellte: "Doktor Popa, Anästhesistin." Sie setzte sich am Rande des Bettes und fing an mir eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte war nicht gerade poetisch ... Aber so wie sie von Frau Doktor erzählt wurde schien es ein Märchen zu sein. In diesem Märchen erschienen merkwürdige Worte ... insbesondere das Wort "epidural" kam häufig vor. Ich hatte nicht viel verstanden aber es schien schön zu sein und am Ende fragte mich Frau Doktor wie würde ich bevorzugen anästhesiert zu werden und ich teilte ihr mit: "Wie Sie es für richtig halten". Als die Erzählerin wegging war auch Victoria damit sofort einverstanden. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Am zweiten Morgen nach dem Aufstehen wurde ich mit einem weißen Kittel angezogen der nur eine Seite hatte und auf einem Tisch mit Räder befördert... viel Licht... weiße Fluren... ich ging durch eine Tür auf der verzeichnet war "Eintritt verboten. OP-Block".  Die Tatsache dass ich trotz Verbotes eingetreten war gab mir eine Gefühl der Genugtuung für mein Ego. Auf einmal war ich jemand... Weiter... kann ich mich nicht mehr viel erinnern... Die Erzählerin vom Vorabend war da, grinste... und danach ein leichtes Stechen im Rücken, soviel. Ich wachte in einem großen Zimmer auf, mit vielen Betten, von vielen kleinen Wesen umkreist die um mich herum rannten und auf jeder meiner Geste sich an mich näherten und fragten "Möchten Sie etwas?".

Es ging noch eine Nacht vorbei und andere wundervolle Wesen dieses Mal in weiß gekleidet umkreisten mich in meinem neuen Aufenthaltsort: Zimmer 202. Es kam auch Dr. Balint der mich anschaute und zufrieden aussah. Ich hatte das Gefühl Ihn nicht enttäuscht zu haben. Oder Herr  Doktor Longhinescu der nur leise redend mich über den Fortschritt informierte, der nachdem wie es aussah mein Partner wurde. Nach einigen wundervollen Tage in denen ich mein Glück mit Fräulein Flori zu teilen die es an einem Tag wie durch ein Wunder es geschafft hatte eine Wohnung zu kaufen die Sie und Ihre Familie in wirkliche Einwohner der Stadt Brasov umwandelte. Der Frau Flori habe ich das Rezept der abgesonderten Diät mitgeteilt.  Es folgten wunderbare Tage, Sie werden es mir nicht glauben. Als endlich Atilla der Entsendete meines Freundes aus Sighisoara eintraf um mich "zu befreien" wollte ich "Auf Wiedersehen!" sagen.  Ja! "Auf Wiedersehen!" weil für mich hier bei CLINICCO das Schlechte zum Guten wurde!

Brasov, den 28.05.2010

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